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Beste Entscheidung des Lebens Claudia Dietl

Blog Interview Entscheiden Cover Michaela Forthuber #Entscheidungsarchitektin

Claudia Dietl

Beste Entscheidung ihres Lebens? Warum? Und 6 1/2 Fragen dazu:

1. Welche Entscheidung war die Beste, die Du in Deinem Leben getroffen hast? (Und warum?)

Meine beste Entscheidung habe ich getroffen, als ich 22 Jahre alt war. Die meisten Menschen haben ihre große Krise Mitte 40/50. Ich hatte meine Anfang 20. Ich hatte gerade nach 6 Monaten meinen Job gewechselt und war in der neuen Arbeit (Küchengroßhandel-Sachbearbeitung) gar nicht glücklich. In meiner Freizeit durfte ich als engagierte Parteifunktionärin und erste Frau, die im Salzkammergut eine Jugendpartei leitet, erleben, dass man als junge Frau in konservativen Strukturen nicht viel zu melden hat und insgesamt hatte ich viel Unruhe in mir, die mich zu dem Gedanken brachte: „Wenn Du morgen stirbst, dann war es egal, dass Du hier warst“ – und dieser Gedanke war Antrieb mir Gedanken nach Alternativen zu machen, die schließlich darin mündeten, dass ich mich zu einem Studium in Salzburg entschloss. Ich wusste, zurück in dieses „Drama“ konnte ich immer, daher habe ich das nicht als besonders mutig angesehen. Als jedoch fast mein gesamter damaliger Freundeskreis mit negativen Reaktionen reagierte, war ich schon erstaunt. Nur wenige sagten mir offen ins Gesicht, dass sie das für Blödsinn hielten, da ich doch sowieso bald heiraten würde – interessante Ansicht deswegen, weil ich nicht einmal einen festen Freund hatte….

In Salzburg hat mir dann nicht nur das Studium dann völlig neue Welten und Sichtweisen eröffnet, sondern auch noch die Tatsache, dass ich in einer Gruppe angefangen habe, ernsthaft zu meditieren, was mein Leben grundlegend auf den Kopf gestellt hat, vor allem auch, weil ich die Entscheidung getroffen habe, diesen spirituellen Weg zu gehen und in der Folge auf eine Partnerschaft verzichtet habe.

Somit war es nicht eine, sondern zwei Entscheidungen, wobei die 2. für mich die bedeutendere war, weil ich mein ganzes Lebensmodell geändert habe. Aber sie wäre nicht möglich gewesen, wenn ich nicht den Mut gehabt hätte, mich für das Studium zu entscheiden, und so aus den alten Strukturen komplett ausgestiegen bin. Ca. 30 Jahre später kann ich nur sagen: mir hätte nichts Besseres passieren können, und natürlich habe auch ich wie alle anderen, diese Entscheidung immer wieder mal auf den Prüfstand gestellt, weil ich es wichtig finde, auch mal das eigene Lebensmodell zu hinterfragen – für mich passt es nach wie vor, und es hat mir geholfen, das Potenzial, das ich in mir habe, zu entfalten. Etwas, worauf ich alle meine weiteren (großen) Entscheidungen aufgebaut habe.

6 1/2 Fragen:

1. Was beeinflusst Deine Entscheidungen?

Ich versuche stets, auf das Ganze zu schauen und frage mich oft auch bei kleinen Entscheidungen, wie sich diese auf meine Umwelt oder die beteiligten Menschen auswirkt. Dient es einem großen Ganzen, nehme ich mich auch gern zurück, da ich es nicht für sinnvoll halte, egoistisch für mich allein etwas zu erreichen, wenn auf andere Art und Weise, mehr davon profitieren können.

Ich habe immer den Gedanken an die Umwelt im Hinterkopf, auch wenn ich es für nicht machbar halte, 100 % ökologisch zu handeln, ich versuche es, wo es geht und mache so wenig Kompromisse, wie möglich.

In meine beruflichen Entscheidungen fließt immer meine Vision mit ein, die die Richtung vorgibt, aber auch die Frage, was ist jetzt, in diesem Moment zu tun?

 

2. Wie ist Dein Vorgehen, wenn Du eine schwere Entscheidung zu treffen hast?

ich verlasse mich auf mein Inneres. Nicht auf mein Bauchgefühl sondern auf mein Herz. Falls es grad schwierig ist (aufgrund von Stress oder Schmerz etc.) dazu Zugang zu finden, nehme ich mir die Zeit reinzuspüren. Manchmal gehe ich auch in die Zukunft und prüfe, wie sich die unterschiedlichen Optionen rückwirkend anfühlen. Das hilft mir oft sehr.

Da ich seit vielen Jahren meditiere, fällt es mir immer leichter.

Zudem versuche ich, meine Ängste zu eruieren, die gerade bei schweren Entscheidungen sehr präsent sind, und mich nicht von ihnen regieren zu lassen. Gleiches mache ich, wenn ich in zu große Euphorie „verfalle“ – die kann einen auch schnell auf unsichere Pfade führen und zu Schritten verleiten, die einem dann Probleme bereiten.

Da es mir insgesamt sehr schwer fällt, selbst kleine Entscheidungen zu treffen, muß ich mir oft noch klar machen, dass ich die meisten Dinge rückgängig machen kann und im Prozess anpassen. Ich sehe (gerade berufliche) Entscheidungen nicht als in Stein gemeißelt an und korrigiere, wenn es notwendig ist. Das hat mir vor allem als Selbständige immer sehr geholfen, mich nicht irgendwo festzubeißen und flexibel zu bleiben.

3. Was haben Entscheidungen aus Deiner Sicht mit der Realität zu tun?

Sie bestimmen die Richtung, in die es geht und entsprechend meiner Entscheidungen forme ich meine Realität. Das, was mir begegnet, hat seinen Ursprung in den Entscheidungen, die ich getroffen habe, egal ob bewusst oder unbewusst. Ich habe z. B. die ganz konsequente Entscheidung getroffen, mich stets zu bemühen, das Gute in den Menschen zu sehen – Somit sieht meine Realität nicht so aus, dass die Welt immer schlechter wird – im Gegenteil.

Realität ist stets subjektiv, und falls sie mir nicht gefällt, kann ich überlegen, andere Entscheidungen zu treffen 🙂

4. Welches war Dein Lieblingsmärchen als Du klein warst?

Dornröschen – warum weiß ich eigentlich gar nicht. Ich weiß, alle anderen mochten Schneewittchen, aber die fand ich irgendwie doof, weil sie dreimal den gleichen Fehler gemacht hat (heute wäre ich vermutlich gnädiger 🙂

5. Was ist aus Deiner Sicht am Wichtigsten: Sicherheit, Autonomie oder Anerkennung?

Sicherheit, und zwar die innere Sicherheit, die sich daraus ergibt, wirklich bei mir zu sein und zu bleiben. Wenn ich in mir sicher bin und in mir Ruhe gefunden habe, bin ich nicht auf Anerkennung angewiesen und habe automatisch ein hohes Maß an Autonomie erreicht.

6. Wer ist Dein grösstes Vorbild?

Grundsätzlich: Sri Chinmoy: weil er vorgelebt hat, welches Potenzial in jedem von uns steckt und unermüdlich für mehr Frieden auf der Welt gearbeitet hat.

In bezug auf Entscheidungen: Nelson Mandela, weil er sich für Vergebung entschieden hat und davon nicht mehr abgewichen ist.

1/2 Welche Entscheidung würde die Welt zu einem besseren Ort machen?

Die Entscheidung jedes Einzelnen, sich selbst liebevoll zu betrachten und zu entdecken, wie großartig wir sind und sich gegenseitig dabei zu unterstützen unsere Einzigartigkeit zu leben (und zwar die unseres wahren Wesens). Daraus würde automatisch resultieren, dass wir besser mit uns, unseren Mitmenschen und unserer Umwelt umgehen. Vieles, was Menschen tun, ist aus einer Unzufriedenheit gewachsen und der Entfernung von uns selbst.

Claudia Dietl  www.art-of-sales.de