Beste Entscheidung des Lebens Juliane Zielonka

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Juliane Zielonka

Beste Entscheidung ihres Lebens. Warum? Und 6 1/2 Fragen dazu:

1. Welche Entscheidung war die Beste, die Du in Deinem Leben getroffen hast? (Und warum?)

Mathematik wie eine Fremdsprache zu betrachten und in meiner vierten Lebensdekade intensiv zu lernen in puncto fundamentale Unternehmensbewertungen für Investments an der Börse. Die Fundamentalanalyse ist eine Methode, um den inneren Wert einer Aktie zu ermitteln. Mit dieser Methode wird die aktuelle finanzielle Situation eines Unternehmens analysiert, um festzustellen, ob sich eine Investition in die Aktie lohnt oder nicht. Ist der innere Wert höher als der aktuelle Aktienkurs, kann es lukrativ für ein Investment sein.

Jahrzehntelang ging ich also durch das Leben mit dem Glaubenssatz, ich sei schlecht in Mathematik. Die Wurzeln dazu lagen zum einen in meiner Schullaufbahn: auf dem klösterlichen Gymnasium gab es Lehrer, die zwar ihren Lehrplan abarbeiteten, jedoch wenig Verständnis hatten für individuelle Kommunikation. Und so blieben Schülerinnen wie ich auf der Strecke, die dem Stoff nicht folgen konnten. Es war mir schlicht und ergreifend unverständlich. Zum anderen war da mein Dad, ein Ingenieur, der regelmäßig in den hauseigenen Mathematik-Nachhilfestunden die Geduld mit mir verlor. So verknüpfte ich mein Nicht-Verständnis mit persönlichem Versagen. Bewusst lösungsorientiert war ich in meiner Pubertät nur dahingehend, dass ich mir bis zum Abitur zwei naturwissenschaftliche Fächer aufhalste, nur um das lästige Zahlenfach nach der 10. Jahrgangsstufe endlich abzuwählen.

Heute weiß ich: je anwendbarer und nachvollziehbarer Mathematik gestaltet wird, umso mehr Freude bereitet die Anwendung! Und ähnlich einer Fremdsprache bringt die tägliche Praxis den Schwung, darin immer geübter zu werden. Sei es bei der Schnäppchenjagd für den nächsten Urlaub, beim Budgetieren des Einkommens, beim Erhöhen der Sparrate und dem Sicherheitspolster oder bei den eigenen Stundensätzen. Price is what you pay, value ist what you get.

Meine Value Investing Erfahrungen gebe ich jetzt an andere weiter. Ich möchte mindestens 10.000 Menschen unterstützen, sich ihren eigenen finanziellen Wohlstand aufzubauen durch regelmäßige Investments in Aktien an der Börse. Und Fundamentalanalyse ist ein kleiner Baustein dazu, intelligent zu investieren. Menschen erprobte Werkzeuge an die Hand zu geben für das Erreichen ihres eigenen finanziellen Erfolgs motiviert mich.

6 1/2 Fragen:

1. Welches sind deine 3 wichtigsten Zutaten, um weise und mutige Entscheidungen treffen zu können?

  1. Wissen um die Wahrscheinlichkeiten der zukünftigen Konsequenzen durch den jeweiligen Entscheidungsweg.
  2. Die Erkenntnis, dass Lebenszeit endlich ist und Mut im Französischen von Courage, also deinem Herzen folgend kommt. Also lieber mal Hinfallen und wieder aufstehen und die Erfahrung mitnehmen statt ängstlich vermeidend durchs Leben gehen.
  3. Die Chuzpe, getroffene Entscheidungen mit allen Höhen und Tiefen durchzustehen; bei drohender Schieflage um Hilfe zu bitten und bei Erfolg selbigen mit anderen feiern. Und nach zu justieren auf dem Weg zum Ziel.

2. Welche Entscheidungshindernisse kennst du persönlich?

Die Klaviatur der verzerrten Wahrnehmungen aus der Psychologie. Zum Beispiel Katastrophisieren im Denken: Ereignisse zu über- oder unterschätzen. Eine Aufgabe erscheint viel größer, als sie eigentlich ist, eine Situation wirkt bedrohlich. Sei es die Existenzangst am Beginn einer Selbständigkeit, wenn vermeintliche Kunden sich 3-6 Monate Zeit lassen zur Begleichung der gestellten Rechnung.

Ebenfalls hemmend wirkt ein nebliges Warum. Mir ist es mal passiert, da hatte ich mein Ziel erreicht und auf einmal war mein Warum beantwortet. Plötzlich war da eine Leere.

Diese Leere auszuhalten, in die Stille zu gehen und das wortwörtlich durch Meditation, Naturspaziergänge, Ruhe und digital Detox brachte mich zurück zu meinem Wesenskern. Das Schöne ist ja, dass jeder seinem Leben einen Sinn verleihen kann. Es bedarf nur der Ruhe und des sich-Aushaltens, in sich hinein zu hören, was da gehört, gespürt und umgesetzt werden will.

3. Was hat aus deiner Sicht die Ratio, die Intuition und die Emotion mit der Entscheidungsfindung zu tun?

Ich bin ein großer Freund des kritischen Denkens. Das bedeutet, Gegebenheiten zu hinterfragen und sich meist konträr zur Masse zu verhalten.

Rationale Investoren verstehen ihre eigenen Grenzen und sind offen für Ideen, die ihre Positionen infrage stellen. Man muss dazu kein Genie sein, man muss nur aufgeschlossen sein und mit Neugier durch die Welt gehen. Intuition ist die Illusion einer Gewissheit und in meinem Verständnis mehr auf der Körperebene verankert.

Stellen Sie sich die Situation vor, sie treffen zum ersten Mal einen potenziellen Geschäftspartner auf ein Business-Lunch jede Faser ihres Körpers möchte sofort den Tisch verlassen. Hören Sie auf Ihre Intuition. Ihr Körper erkennt bereits die Schwingung. Gefühle hingegen kommen und gehen wie Wolken am Himmel. Emotionale Entscheidungen können in Verbindung mit Ratio und Intuition langfristige Wahrscheinlichkeiten beeinflussen. Allein die Vorstellung, bei der Preisgestaltung ein Honorarhöhe zu verlangen, die meine Zeit bindet und kein Gewinn zu erzielen ist, lässt in mir ein ungutes Gefühl hochkommen.

Durch meine Ratio weiß ich, wie ein zukünftiges Szenario mit einer wohlwollenden Preisgestaltung einen wahrscheinlich emotional angenehmen Effekt auf meine Zukunft haben wird.

4. Entscheide dich: Wenn du ein Buch wärst, welcher Titel steht auf deinem Cover?

“Unternehmerisch investieren - Schritt für Schritt zu mehr Glück, Erfolg und zu finanzieller Freiheit mit Aktien” Und das gibt es wirklich seit dem 22.2.2022 im Handel.

5. Welches war die großartigste Entscheidung von einem anderen Menschen, die du bewunderst oder richtig gefeiert hast?

In einem Interview mit Becky Quick auf CNBC im Jahr 2010 sagte Warren Buffett, die dümmste Aktie, die er je gekauft habe, sei Berkshire Hathaway. Im Jahr 1962 investierte Buffett zum ersten Mal in das strauchelnde Textilunternehmen. Er dachte, dass er einen Gewinn machen würde, wenn weitere Textilfabriken geschlossen würden, also kaufte er die Aktie. Doch die damaligen Unternehmensinhaber versuchten ihn, dabei über das Ohr zu hauen. Alice Schroeders beschreibt in ihrem biografischen Buch “The Snowball” über Buffett, dass er anfangs nur deshalb von Berkshire angezogen wurde, weil er für 7,50 US-Dollar einen Buchwert von etwa 19 US-Dollar kaufen konnte. Der innere Wert der Firma erschien also lukrativ. Ein damaliger Freund von Buffett schlug vor, das gesamte Unternehmen zu kaufen und zu liquidieren. Doch später traf Buffett mit dem Management von Berkshire zusammen und bot an, dass das Unternehmen seine Aktien für 11,50 US-Dollar zurückkaufen könne.

Anscheinend versprach das Management, dies zu tun, bot dann aber offiziell nur 11,375 US-Dollar statt den versprochenen 11,50 US-Dollar an. Darüber war Buffett so verärgert, dass er beschloss, die Kontrolle über das Unternehmen zu übernehmen und das derzeitige Management zu entlassen. Eine seiner dümmsten Entscheidungen basierte demnach auf emotionalen Einflüssen. Heute ist sein Investmentvehikel Berkshire eines der wertvollsten börsennotierten Unternehmen weltweit.

6. Was hat Entscheiden für dich mit Verantwortung und Selbstwirksamkeit zu tun?

Für mich sind Entscheidungen wie gesunde Gewohnheiten. Die Erfahrung der Konsequenzen der durchgeführten Entscheidungen ist unersetzbar. Entscheidungen, die vermieden wurden, sind wie eine Abgabe der Verantwortung. Konsequent eigene Entscheidungen zu treffen und zu durchleben ist wie tägliches Aufstehen. Es wird zu einer Routine, diese entsteht durch Disziplin. Ich kann mich entscheiden, nie wieder Sport zu machen und nur Junk Food zu konsumieren, dann ist die Konsequenz vermutlich eine erhöhte Multimorbidität im frühen Alter und Adipositas.

Verantwortung für das eigene Wohlbefinden beginnt mit einem gesunden Selbstwertgefühl und der Verantwortung sich und anderen gegenüber. Mit den anderen meine ich, bei seinen Entscheidungen anderen keinen Schaden zuzufügen. Oder vereinfacht nach der goldenen Regel “Behandle andere so, wie Du selbst behandelt werden möchtest.” Selbstwirksamkeit wächst mit den gewonnenen Erkenntnissen und dem Vertrauen darin, neue Aufgaben mithilfe der eigenen Kompetenz bewältigen zu können.

Je mehr Geduld man mit sich hat und eine unerschütterliche Zuversicht, desto erfüllender erscheint die Selbstwirksamkeit. Interessanterweise wird diese durch andere gespiegelt. Der Mensch ist und bleibt ein soziales Wesen.

1/2 Welche Entscheidung würde den Menschen around the World gut tun?

Jeder Mensch sollte einen Baum pflanzen und sich um dessen Wachstum kümmern. Eines Tages kann jemand dann diesen Baum für eine angenehme Pause im Schatten der Blätter genießen oder sich an seinen Früchten laben.

Juliane Zielonka  julianezielonka.de