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Beste Entscheidung des Lebens Martin von Hirschhausen

Blog Interview Entscheiden Cover Michaela Forthuber #Entscheidungsarchitektin und Martin von Hirschhausen

Martin von Hirschhausen

Beste Entscheidung seines Lebens? Warum? Und 6 1/2 Fragen dazu:

1. Welche Entscheidung war die Beste, die Du in Deinem Leben getroffen hast? (Und warum?)

Die beste Entscheidung meines Lebens war der Wechsel von der Vorstandsfunktion und damit de facto vom Angestellten-Dasein hin zur Selbstständigkeit. Das Gefühl, wirklich frei zu entscheiden, ohne Abstimmung, ohne Kompromisse, in welche Richtung ich gehen will, was meine Prioritäten sind, ist einfach eine deutliche Erhöhung der Lebensqualität. Und damit ein noch mal völlig neues berufliches Empfinden, was auch sofort positiv in den persönlichen Bereich ausstrahlt.

6 1/2 Fragen:

1. Was beeinflusst Deine Entscheidungen?

Ich achte sowohl auf den Geist als auch auf den Kopf und auf das Herz. Letzteres gewöhne ich mir langsam an und wird immer mehr. Der Geist und das Hinterfragen kommt sicherlich über die naturwissenschaftliche Seite der Familienhistorie, das Herz eher über die mütterliche Seite. Ich merke, dass ich mir sehr schnell vertrauen kann und denke letztendlich über den Bauch. Ich weiß, was mich anspricht, wo es Potentiale gibt, welchen Personen ich vertraue und mit welchen ich gerne zusammenarbeiten möchte. Ich leiste mir den Luxus, mit denen nicht zusammen zu arbeiten, wo ich merke, dass es irgendwelche schwierigen Gefühle gibt, sei es auf meiner Seite oder irgendwelche Störgefühle auf deren Seite.

2. Wie ist Dein Vorgehen, wenn Du eine schwere Entscheidung zu treffen hast?

Da bin ich ganz der Finanzmann: Bilanz aufschreiben, was spricht dafür und was dagegen, diese Liste zu werten für die einzelnen Faktoren und zu gewichten. Dann ist im Regelfall die Entscheidung klar. Einer der Faktoren ist immer eine Frage des Herzens.

Ein Beispiel: Als ich merkte, dass ich beruflich etwas Neues anstrebte, hatte ich verschiedenartige Möglichkeiten im Blick. Ich habe diese Gedanken und Optionen eine Zeit lang weiter verfolgt, habe immer mal wieder meine Liste ergänzt. Mich dabei gefragt: Was gibt es mir? Denn letztlich geht es im Leben eines jeden Menschen wahrscheinlich immer um drei Dinge. Das eine ist Wirken, manche übersetzten das auch mit Macht. Das zweite Thema ist Anerkennung von mir selbst und in diesem Fall tendenziell von Außen, und das dritte Thema ist der Verdienst im Sinne von Geld. Diese drei Themen übereinzubekommen ist sicherlich schwierig.

3. Was haben Entscheidungen aus Deiner Sicht mit der Realität zu tun?

Ich hab eine bestimmte, ja, Realität ist mir da im Ausdruck zu hoch, eher eine persönliche Sichtweise. Da ist erst einmal meine Realität - und jeder andere Mensch hat tendenziell nicht nur das Recht, sondern auch fast die Verpflichtung, seine Realität zu haben und dann je nachdem, wo es sinnvoll und notwendig ist, können wir uns einander annähern.

Also ich setze lieber das Wort Sichtweise ein, weil Realität klingt mir zu fest. Ich bin schon offen für andere Sichtweisen, um meine - und um das Wort dann doch zu benutzen - Realität gegebenenfalls anpassen zu können.

4. Welches war Dein Lieblingsmärchen als Du klein warst?

Robin Hood war mein Lieblingsmärchen. Als Rächer der Enterbten - und das wurde später von Otto Waalkes so weiter getrieben, dass es mir auch im Ohr und nicht nur als Buch hängen blieb.

5. Was ist aus Deiner Sicht am Wichtigsten: Sicherheit, Autonomie oder Anerkennung?

Für mich eindeutig Autonomie. Mir gefällt das Wort Freiheit dafür noch besser. Anerkennung ist sicherlich auch wichtig; und Sicherheit spielt eine große Rolle, wenn es - wie bei mir - darum geht, für Frau und Kinder mit zu denken und mit zu sorgen. In der Phase der Selbstständig-Machung erlebte ich, dass Sicherheitsstreben auch bremsen kann. Das Gefühl, wenn kein stetiges Einkommen fließt - was macht das dann mit uns, können wir den Kindern das Studium bezahlen und was dann so alles an gerechtfertigten Überlegungen kommt. Aber das spricht dann eher wieder für ein Angestellten-Dasein und insofern wäre es teilweise ein Widerspruch.

6. Wer ist Dein größtes Vorbild?

Ich habe da verschiedene Vorbilder pro Lebensbereich. Was Einstellung und Gelassenheit anbelangt, gefällt mir der Dalai Lama ausgesprochen gut. Für den Bereich Familie und Kinder hatten wir gerade gestern eine Einladung mit unseren Nachbarn. Die Frau hat ein Buch geschrieben über "Nacheinander", was die Prioritäten bei Kindern und Beruf bzw. Berufung anbelangt - meines Erachtens eines der großen Themen. Jede Frau und Mutter kann diesen Ansatz sicher nachvollziehen. Was beruflichen Erfolg, Engagement und auch Durchsetzungsfähigkeit ohne völlige Ellbogen-Mentalität anbelangt, ist es Dr. Nikolaus von Bomhard, der frühere Vorstandsvorsitzende der Münchner Rück.

Wichtige Rollen haben für mich jeder Unternehmer und jeder Selbstständige, der ganz bewusst diesen Weg gegangen ist. Sichtbar sind natürlich diejenigen, deren Unternehmen dann schnell gewachsen sind. Vorbild ist das falsche Wort, aber mich beeindruckt Simon Brunke sehr. Er ist Mitgründer der Exporo AG, inzwischen europaweit Marktführer bei Immobilien-Zwischenfinanzierungen. Er hat sich zum dritten Male selbstständig gemacht, wieder etwas aufgebaut. Diese serial Entrepreneurs beeindrucken mich, weil sie einfach Lust haben, Dinge auszuprobieren, Dinge nach vorne zu entwickeln und sich auch lösen können. Sie machen wieder etwas Neues, und das aus Lust am Machen und am Verbessern der Lebenswirklichkeit vieler Menschen. Ein mich auch sehr beeindruckender Mensch auf der beruflichen Seite ist Lars Hinrichs, der bei seiner ersten Gründung insolvent ging, sein zweites Unternehmen lief so lala und der dann schließlich Xing gegründet hat - ein Riesenerfolg. Also dieses immer wieder Probieren, obwohl man hingefallen ist, und diese in USA deutlich positiver ausgeprägte Herangehensweise nach Deutschland zu bringen, Innovation zu verbinden mit schlichtweg dem Versuch, etwas auf die Beine zu bekommen, das beeindruckt mich immer wieder.

1/2 Welche Entscheidung würde die Welt zu einem besseren Ort machen?

Es klingt so, dass die Antwort nur eine Entscheidung sein darf. Das ist für mich im Moment das Thema Konsum und sich daraus ergebend Klima. Ich denke, letztlich das übergeordnete Thema ist Kooperation bis hin zu Liebe - sowohl für das eigene Leben als auch für das Leben jedes anderen und damit das Thema Konfliktlösung. Der Umgang der Menschen mit sich und mit anderen - das denke ich, würde die Erde deutlich verbessern. Dann ergeben sich die anderen Themen im Anschluss daran.

Martin von Hirschhausen      martinvonhirschhausen.de