Beste Entscheidung des Lebens Miriam Greiner

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Miriam Greiner

Beste Entscheidung ihres Lebens? Warum? Und 6 1/2 Fragen dazu:

1. Welche Entscheidung war die Beste, die Du in Deinem Leben getroffen hast? (Und warum?)

Mit 18 Jahren entschied ich, mich gegen meine Familie und mein Umfeld zu stellen um meinen eigenen Weg zu gehen. Das klingt im ersten Moment „banal“. Für mich jedoch bedeutete es, jeden einzelnen Menschen, der bis dahin Teil meines Lebens war, zu verlieren.

Ich bin in einem religiös sehr „radikalem“ Umfeld aufgewachsen. Regelbrüche wurden mit Gemeinschaftsentzug bestraft und Eltern wurde empfohlen, ihre Kinder schon von klein auf zu prügeln, wenn sie nicht gehorchen. Schon in jungem Alter stellte ich kritische Fragen, auf die mir lediglich mit Bibelversen geantwortet wurde, was mich nicht zufriedenstellte. Je älter ich wurde, umso mehr rebellierte ich, denn mir wurde bewusst, dass die Kinder/Jungendlichen ausserhalb der Religionsgemeinschaft anders aufwuchsen, weshalb ein Kontakt zu andersgläubigen verboten wurde. Ich hatte immer mehr das Gefühl, mein Leben zu verpassen und konnte mich immer weniger mit der religiösen Ideologie um mich herum zu identifizieren.

Meine Familie hingegen wusste sich nicht anders zu helfen, als mit dem Versuch, mich mit Gewalt einschüchtern zu wollen, in der Hoffnung, ich würde mich aus Angst den Regeln unterwerfen.

Mit 18 Jahren begann ich, Freunde zu finden, die nicht Teil der religiösen Gemeinschaft waren. Zu Hause eskalierte die Situation und während einer Prügelstrafe drohte ein Familienmitglied mir, mich lieber umzubringen als mich „frei“ zu lassen.

Ich flüchtete nachts zu einer „neuen" Freundin, die mich vorübergehend aufnahm. Als ich einige Tage später nach Hause wollte, um meine Kleidung abzuholen, war das Türschloss ausgewechselt, so dass ich weder Kleidung, Schuhe oder Dokumente mitnehmen konnte. Somit begann ich ein neues Leben.

Warum ich entschied, mit 18 meine Familie und mein Umfeld zu verlassen? Weil ich mich selbst zu sehr liebte als dass ich bereit war, meine Persönlichkeit anderen zuliebe zu verleugnen. Ich erwartete und erwarte immer noch von meinem Umfeld, dass sie mich bedingungslos lieben und nicht verachten, weil ich in meinem Leben eine Entscheidung treffe, die ihnen nicht gefällt, sofern diese Entscheidung moralisch nicht verwerflich ist.

Wenn Menschen mich aufgrund solch einer Entscheidung aus ihrem Leben „werfen“, dann haben sie mich in ihrem Leben nicht verdient.

6 1/2 Fragen:

1. Was beeinflusst Deine Entscheidungen?

Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und weiß natürlich, dass emotionale Entscheidungen selten die Besten sind. Daher warte ich häufig ab, bis die Emotionen vergangen sind um meine Entscheidungen dann aus der Vernunft heraus treffen zu können.

2. Wie ist Dein Vorgehen, wenn Du eine schwere Entscheidung zu treffen hast?

Ich frage mich in erster Linie immer, was mir persönlich guttut, vor allem langfristig betrachtet. Im zweiten Schritt bespreche ich meine Gedanken dann mit meinem Mann, denn er ist mein engster und vertrautester Berater. Das hilft mir, die Entscheidung nochmal aus einem neutralen Blickwinkel betrachten zu können. Und wenn ich dann langfristig betrachtet immer noch richtig zu sein scheint und es sich gut anfühlt, geht es an die Umsetzung.

3. Was haben Entscheidungen aus Deiner Sicht mit der Realität zu tun?

Jeder Mensch hat seine eigene Realität, bedingt durch Erfahrungen, die man in der Vergangenheit gemacht hat bzw. nicht gemacht hat. Deshalb können Menschen häufig Entscheidungen Anderer nicht unbedingt nachvollziehen, was meiner Meinung nach auch nicht unbedingt sein muss.

4. Welches war Dein Lieblingsmärchen als Du klein warst?

Cinderella

5. Was ist aus Deiner Sicht am Wichtigsten: Sicherheit, Autonomie oder Anerkennung?

Autonomie. Jeder Mensch muss die Folgen seiner Entscheidungen selbst tragen. Für Fehlentscheidungen muss er persönlich gerade stehen, für Erfolge wird er selbst die Früchte ernten. Wie ungerecht wäre es, wenn ich anderen zuliebe Entscheidungen treffen würde/müsste, die meinem Lebensglück schaden würden.

 

Ich wollte nie in der Situation sein, dass ich irgendwann auf dem Sterbebett liege und mir bewusst wird, dass ich aus Zwang oder durch Druck von aussen mein Leben nicht so gelebt habe, wie ich es mir gewünscht hatte.

6. Wer ist Dein grösstes Vorbild?

Mein Mann

1/2 Welche Entscheidung würde die Welt zu einem besseren Ort machen?

Zu vergeben

 

Miriam Greiner  www.miriam-greiner.com