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Beste Entscheidung des Lebens Nina Carissima Schönrock

Blog Interview Entscheiden Cover Michaela Forthuber #Entscheidungsarchitektin mit Nina Carissima Schönrock

Nina Carissima Schönrock

Beste Entscheidung ihres Lebens. Warum? Und 6 1/2 Fragen dazu:

1. Welche Entscheidung war die Beste, die Du in Deinem Leben getroffen hast? (Und warum?)

Die beste Entscheidung meines Lebens war es, mir die Zeit und den Raum zu nehmen, mich zu fragen, was mein Leben wirklich lebenswert macht - und daraus konkrete Handlungsweisen abzuleiten, die ich nun jeden Tag lebe und genieße.

Was brauche ich für ein glückliches Leben? Was ist es, das mich jeden Morgen aufstehen lässt? Was ist es, das ich jeden Tag tun möchte und nichts anderes? Was braucht es wirklich? Diese Fragen habe ich mir oft gestellt, doch bis ich sie für mich so beantwortet hatte, dass ich auch bereit war, eine Entscheidung FÜR meine eigenen Antworten und Bedürfnisse zu fällen, hat es sehr lange gedauert. Inzwischen kann ich sagen: Nicht jede Entscheidung, die ich im Rahmen dessen treffe, würde ich als die beste meines Lebens bezeichnen, manchmal nicht mal als eine besonders gute Entscheidung. Aber die Tatsache, dass ich mir das Treffen von Entscheidungen jeden Tag aufs Neue selbst einräume, zugestehe und davon überzeugt bin, dass es so der richtige Weg für mich ist, macht sehr viele Dinge zu den besten meines Lebens.

6 1/2 Fragen:

1. Was beeinflusst Deine Entscheidungen?

Gefühlt alles und nichts, aber das stimmt natürlich nicht. Manche Entscheidungen treffe ich direkt und aus dem Bauch heraus, andere zermürben über Tage hinweg mein Gehirn. Was alle Entscheidungen aber gemeinsam haben: Kopf und Bauch sind sich einig, wenn die Entscheidung getroffen wird. Ich weiß inzwischen genau, welche Menschen in meinem Leben ich für welche Entscheidungsfindungen zu Rate ziehe und in welchen Belangen es ohnehin eine Entscheidung ist, die es für mich und mit mir selbst zu treffen gilt.

Dadurch werden meine Entscheidungen sicherlich mit beeinflusst. Ein weiterer Einflussfaktor ist ein ganz anderer, nämlich der meines Bewusstseins bzw. des Bewusstwerdens. Ich muss ein Bild zu einer Entscheidung sehen können, sonst kann ich sie nicht treffen. Sei es eine Visualisierung einer Problematik oder das Bild im Geiste, das entsteht, wenn ich mir vorstelle, wozu meine Entscheidung führen wird. Passt das Bild, ist es stimmig und ich fühle mich wohl damit, kann ich die Entscheidung treffen.

2. Wie ist Dein Vorgehen, wenn Du eine schwere Entscheidung zu treffen hast?

Mein Mann würde vermutlich sagen, man sieht es mir an, wenn ich eine schwere Entscheidung zu treffen habe. Meine erste Reaktion ist nämlich meist, dass ich in die Luft schaue wie ein Reh, das nachts auf einer Waldstraße von den Scheinwerfern eines Autos angestrahlt wird. Nun fühle ich mich im Licht von Scheinwerfern ja zum Glück recht wohl, weshalb dieser Blick kein Ausdruck von Angst oder Verzweiflung ist, sondern erstmal ein: „Ach!“

Danach startet mein innerer Dialog zwischen Kopf und Bauch. Bauch hat eine erste Idee, wie er das Szenario findet und gibt sein Statement ab. Entscheidung ist für ihn gefallen, Punkt. Mein Kopf hingegen hat einen Abwägungs-Fetisch. Ich liebe Listen, allen voran Pro-Contra-Listen, die über einen ausdauernden Zeitraum (natürlich stets im Rahmen der Möglichkeiten, die man für die Entscheidungsfindung hat) befüllt und wieder korrigiert werden. Diese Liste wird Bauch vorgelegt. Während Bauch die Liste Punkt für Punkt durchgeht, überlegt sich Kopf, ob es für einen Contra-Punkt vielleicht eine andere Lösung findet als die vermeintlich einzige. Findet Kopf eine, freut sich Bauch immer ganz besonders, da sind die beiden ein recht amüsantes Team.

Am Ende gewinnt ohnehin immer Bauch, das weiß Kopf auch, weil es sich fürs allgemeine Wohlbefinden und Funktionieren meiner Selbst schlichtweg bewährt hat. Bauch geht’s aber besser damit, wenn er weiß, dass Kopf sich zuverlässig darum gekümmert hat, dass keine Fragen mehr offen bleiben, bevor eine Entscheidung getroffen wird.

3. Was haben Entscheidungen aus Deiner Sicht mit der Realität zu tun?

Die Realität ist ja ohnehin immer nur unsere eigene. Daher haben Entscheidung meiner Meinung nach sehr viel mit der Realität zu tun. Betrifft eine Entscheidung auch Personen im Außen, betrifft sie auch deren Realitäten. So kann es natürlich passieren, dass eine Entscheidung vielleicht nicht der eigenen Realität entspricht oder sie zumindest auf der einen oder anderen Seite infrage gestellt wird. Egal wie: In meinen Augen gibt es zwei Dinge, die Entscheidungen mit der Realität machen. Zum einen geben sie ihr stets eine neue Wendung, mal spektakulärer, man weniger. Zum anderen lässt sich vieles erst im Nachhinein greifen. Im Blick zurück entstehen die Dinge.

4. Welches war Dein Lieblingsmärchen als Du klein warst?

Die Geschichte vom kleinen Muck! Ich habe als Kind viel Zeit bei meinen Großeltern verbracht und wann immer ich abends schlafen gehen sollte oder krank war oder einfach nur neben der Nähstube meiner Oma saß, um ihr beim Schneidern zuzusehen, durfte ich mir die Schallplatte mit der Geschichte vom kleinen Muck auflegen. Das ist eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen. Ehrlich gesagt musste ich aber eben nachschauen, um was es in der Geschichte genau geht, denn inhaltlich ist sie mir nach all den Jahren nicht mehr recht präsent. Und siehe da: Der kleine Muck, missverstanden von der Welt, wann immer er eigentlich etwas Gutes tun wollte oder tat. Dafür wurde er ausgelacht, unfair behandelt und oftmals sogar zu unrecht bestraft - bis er eines Tages mit guten Taten, Weisheit und Erfahrung über all jene triumphiert. Ich sage ja: Im Blick zurück entstehen die Dinge.

5. Was ist aus Deiner Sicht am Wichtigsten: Sicherheit, Autonomie oder Anerkennung?

Bei mir angekommen kann ich inzwischen sagen: Autonomie. Nicht unbedingt der Selbständigkeit im beruflichen Sinne wegen, sondern vielmehr aufgrund der Unabhängigkeit, die damit einhergeht. Ich entscheide selbst, was mir gut tut und wann, privat wie auch im Job. So gesehen ist es sogar vielmehr der philosophische Ansatz der Autonomie, die Willensfreiheit, die sie für mich so wichtig und wertvoll macht. Ich bin jemand, der an einem Tag in unterschiedlichsten Projekten gern 200 Prozent gibt und das auch braucht. An einem anderen Tag aber nach dem Beantworten einer E-Mail schlichtweg in die Regenerationsphase verfällt. Das geht natürlich nur mit einer gesunden Basis aus Sicherheit und Anerkennung, von denen jede für mich Teil der Autonomie ist, diese aber in ihrem Stellenwert nicht ersetzen könnte.

6. Wer ist Dein größtes Vorbild?

Die langweiligste und zugleich spannendste Antwort wäre: Meine Mutter. Meine Mutter hat mir ein Leben vorgelebt, das es mir ermöglicht hat, sehr früh für zu entscheiden, was ich daran gut oder auch weniger gut finde. Sie ist eine nach außen hin sehr starke und lustige Frau, die mich aufgrund ihrer beruflichen Selbständigkeit schon als Baby in der Wippe neben den Verkaufstresen gestellt oder mit zu Businessterminen genommen hat. Ich durfte mich, wann immer ich es wollte, ausprobieren und neue Dinge lernen, dabei kräftig mit anpacken und wertvolle Lebensphilosophien aufsaugen. Das war ein Traum! Zugleich schlägt in meiner Mutter, der Fotografin, das Herz einer empfindsamen, empathischen Künstlerin, die Sorgen, Selbstzweifel und Ängste schon immer nur schwer verbergen konnte. Genau das ist es aber, was meine Mutter als mein „Vorbild“ aber so wertvoll gemacht hat und noch immer macht: Ich wusste früh, was es heißt, als charismatisches und optimistisches Arbeitstier die Welt erobern - aber auch, dass es normal ist und auch sein sollte, dass all die Eindrücke, Erfahrungen und Emotionen, die man im Leben erfährt, Zeit und Raum brauchen.

Meiner Mutter hat nie jemand gezeigt, wie man Licht und Schatten in seinem Leben zu einem harmonischen Ganzen zusammenführen kann. Sie musste selbst lernen, in beiden „Welten“ zurechtzukommen. Ihre Erziehung und mein Blick von außen auf sie als Mensch hat es mir aber ermöglicht, zu sehen, wo und wie die Abgründe zwischen Licht und Schatten aufgehoben und Brücken gebaut werden können, wo man sie braucht. Das ist ein Prozess, der in mir sicherlich noch längst nicht abgeschlossen ist. Doch ohne diesen Prozess und all das Beschriebene könnte ich heute weder die Person sein, die ich bin, noch wüsste ich, was mir gut tut und auf was es mir im Leben wirklich ankommt. Genau das ist es, was ein Vorbild für mich auszeichnet.

1/2 Welche Entscheidung würde die Welt zu einem besseren Ort machen?

Die Entscheidung, sich selbst das Treffen von Entscheidungen zuzugestehen! Meines Erachtens würde die Welt schon dann ein besserer Ort werden, wenn wir selbst nicht täglich von Selbstzweifeln, Sehnsüchten oder Stress geplagt wären. Ein taktloser, unangebrachter oder schlichtweg unqualifizierter Kommentar der Kollegin, eines Menschen in der U-Bahn oder eines Verwandten übt noch immer viel zu viel Macht über uns aus. Ebenso überbewerten wir Situationen oftmals, suhlen uns in Leid, das keines sein müsste und verpassen dabei die Chancen, die jeder Moment unseres Tages mit sich bringt. Doch diese Chancen können wir nur nutzen, wenn wir gewillt sind, Entscheidungen zu treffen.

Für mich geht es hier bereits im Kleinen los. Die Entscheidung, morgens als erste Amtshandlung des Tages einen Kaffee zu trinken - einen warmen Kaffee! (in einem Haushalt mit zwei Kleinkindern schon fast Leistung genug) - und erst danach das Handy in die Hand zu nehmen, Nachrichten zu hören, E-Mails zu checken, an den Schreibtisch zu sitzen oder die Wohnung aufzuräumen: Das ist eine Entscheidung. Eine, die wir selbst treffen und die unsere Welt zu einem besseren Ort macht, mit einem absolut überschaubaren Zeitaufwand im Verhältnis zum Nutzen, den wir daraus ziehen. Und ist es nicht das, womit wir Entscheidungen rechtfertigen? Dass wir einen Nutzen aus ihnen ziehen können? So gesehen ist jede Entscheidung für uns selbst, unser Wohlbefinden und positive Gedanken in uns eine Entscheidung, die die Welt zu einem besseren Ort macht.

Nina Carissima Schönrock  nina-carissima.de