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Beste Entscheidung des Lebens Taha R. Karem

Taha R. Karem

Beste Entscheidung seines Lebens? Warum? Und 6 1/2 Fragen dazu:

1. Welche Entscheidung war die Beste, die Du in Deinem Leben getroffen hast? (Und warum?)

Die Beste Entscheidung meines Lebens war meine Flucht nach Deutschland, weil ich mein zweites Leben hier wie ein Geschenk anfangen durfte. Mein Leben in Kurdistan-Irak war damals in Gefahr. Als Kurde hat man es nicht einfach, weil die Kurden leider keinen eigenen Staat haben.

Hier in Deutschland konnte ich im Frieden ein neues Leben beginnen, das ich so gestaltet habe, wie es mir persönlich passt. Wobei das am Anfang nicht so einfach war. Ich musste aus eigener Initiative Deutsch lernen und die Demokratie und Machtstruktur Schritt für Schritt lernen. Bis jetzt habe ich einiges erreicht. Ich arbeite seit 26 Jahren bei der Münchner Stadtbibliothek, ich mache Musik-und Theaterprojekte, ich bin Redakteur bei der Zeitung-Neuland und Vorstandsmitglied im PresseClub München e.V.

Ich bin im Großen und Ganzen mit meinem Leben zufrieden

Aus jeder Entscheidung lernt man, aber es gibt Entscheidungen im Leben, die dein Leben grundsätzlich verändern. Wie meine Entscheidung, nach Deutschland zu kommen. Ich habe diese Entscheidung getroffen, obwohl ich überhaupt nicht wusste, was auf mich wartet, ob ich überhaupt gut und gesund ankommen werde, weil meine Reise nicht legal war. Als Flüchtling hat man sein Schicksal nicht in seiner Hand, bis man in einem sicheren Ort ankommen wird. In meinem Fall hatte ich Glück gehabt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Nach meinem Ankommen musste ich ca. 2 Jahre in einer Unterkunft mit anderen Menschen aus anderen Ländern leben. Da musste ich ein sehr kleines Zimmer mit einem jungen Menschen aus Russland teilen.

Ich habe aus eigener Initiative Deutsch gelernt, weil es zu meiner Zeit, vor 28 Jahren, keinen Deutschkurs für Geflüchtete gab. Aber ich wollte schnell wie möglich die deutsche Sprache lernen, weil es mir klar war, dass Deutsch der Hauptschlüssel meines neuen Lebens in Deutschland ist.

Ich bin sehr froh und dankbar, dass ich vom Anfang an diese Entscheidung getroffen habe, Deutsch zu lernen. Sonst konnte ich nicht mich so wie jetzt entwickeln, und nicht da sein, wo ich gerade bin.

6 1/2 Fragen:

1. Was beeinflusst Deine Entscheidungen?

Die Priorität und die Wichtigkeit der Themen beeinflussen meine Entscheidungen.

2. Wie ist Dein Vorgehen, wenn Du eine schwere Entscheidung zu treffen hast?

Ich versuche ruhig zu bleiben, um mir den Überblick zu verschaffen, wo ich gerade stehe und was ich gerade machen kann?

3. Was haben Entscheidungen aus Deiner Sicht mit der Realität zu tun?

Meine Entscheidungen haben mit meiner Wahrnehmung der Realität aus meiner Perspektive zu tun, weil man die Realität aus unterschiedlichen Perspektiven betrachten kann!

4. Welches war Dein Lieblingsmärchen als Du klein warst?

Ali Baba und 40 Räuber aus der Geschichtensammlung Tausendundeine Nacht.

5. Was ist aus Deiner Sicht am Wichtigsten: Sicherheit, Autonomie oder Anerkennung?

Autonomie ist mir am Wichtigsten. Wenn man unabhängig ist, kann man auch Sicherheit und Anerkennung erreichen. Wenn man abhängig ist, verliert man die Selbstbestimmung, da hat man weder Sicherheit noch Anerkennung. Meine individuelle Freiheit und Unabhängigkeit geben mir Sicherheit und Anerkennung als Mensch.

6. Wer ist Dein größtes Vorbild?

Meine Mutter. Sie war eine ruhige und kluge Frau, viele Nachbarn kamen zu ihr und baten um Rat. Sie hatte das Vertrauen von vielen der Familienangehörigen und Nachbarn gewonnen.

1/2 Welche Entscheidung würde die Welt zu einem besseren Ort machen?

Wenn Art 1 des Grundgesetzes überall auf der Welt umgesetzt wird.

Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

Taha R. Karem  instagram.com/taha.r.karem