Gute Entscheidungen fallen nicht vom Himmel.

Warum sollten wir also erst als Erwachsene lernen, wie sie entstehen?


Die Entscheidungsmonster im Baumhaus

Neun Monster. Neun Stärken. Eine Entscheidung. Und plötzlich sieht jeder etwas anderes.

Kinder entscheiden jeden Tag. Manchmal ganz schnell. Manchmal gar nicht. Und manchmal reden dabei gefühlt neun verschiedene Stimmen gleichzeitig mit.

Genau da kommen die Entscheidungsmonster ins Spiel.

Neun Monster. Neun Stärken.

Neun Monster schauen auf dieselbe Situation und sehen trotzdem nicht dasselbe.

Der eine achtet darauf, wofür sich der Einsatz lohnt. Ein anderer hat die Menschen im Blick. Einer prüft genau, was er weiß und was noch fehlt. Andere sehen Möglichkeiten, Risiken oder eine Idee, auf die vorher noch niemand gekommen ist.

Wer von ihnen hat recht?

Vielleicht ist genau das die falsche Frage.

Denn jedes Monster bringt etwas mit, das für eine gute Entscheidung wichtig sein kann.

Und gemeinsam sehen sie mehr als eines allein.

Kinder können noch keine Entscheidungsmatrix ausfüllen.

Gut so.


Denn Entscheidungen entstehen sowieso nicht nur im Kopf.

Kinder überlegen. Sie fühlen. Sie zweifeln. Sie wollen dazugehören und gleichzeitig ihren eigenen Willen haben. Sie wollen Sicherheit und im nächsten Moment unbedingt etwas Neues ausprobieren.

Manchmal wissen sie sofort, was sie wollen. Und manchmal überhaupt nicht.

Kommt uns Erwachsenen erstaunlich bekannt vor, oder?

Die Entscheidungsmonster machen daraus keine Methode. Sondern eine Geschichte.

Und plötzlich lässt sich über etwas sprechen, für das Kindern oft noch die Worte fehlen.

Und dann wird das Baumhaus zu klein.

Neun Monster leben gemeinsam in einem Baumhaus. Das klappt ziemlich gut.

Bis sie feststellen: So geht es nicht weiter. Sie brauchen mehr Platz.

Eigentlich ist damit doch klar, was zu tun ist. Oder?

Denn kaum steht die Entscheidung im Raum, sieht jedes Monster die Sache anders. Plötzlich geht es um Aufwand, Wünsche, Risiken, Möglichkeiten, andere und sich selbst.

Und jeder hat gute Gründe für seine Sicht.

Aus einem einfachen „Wir brauchen mehr Platz“ wird eine ziemlich große Entscheidung.

Wie sollen sich neun Monster einigen, wenn jeder etwas anderes wichtig findet?

Genau das müssen sie gemeinsam rausfinden.

Das Buch ist für Kinder.

Das Thema nicht.

Wir erwarten von Erwachsenen, dass sie Entscheidungen treffen. Verantwortung übernehmen. Mit Unsicherheit umgehen. Einen eigenen Standpunkt finden und danach handeln.

Im Beruf. Als Führungskraft. Als Unternehmerin oder Unternehmer. Und natürlich im eigenen Leben.

Nur: Wann haben wir eigentlich gelernt, wie das geht?

Entscheiden lernen wir nicht erst, wenn es ernst wird.

Seit über 30 Jahren beschäftige ich mich beruflich mit Entscheidungen. In der unternehmerischen Praxis, in meiner wissenschaftlichen Arbeit und im MBA mit Schwerpunkt Decision Making und heute als Entscheidungsarchitektin.

Dabei ist mir etwas immer deutlicher geworden:

Wir bringen Menschen sehr viel darüber bei, was sie wissen sollen. Aber erstaunlich wenig darüber, wie sie mit all diesem Wissen zu einer eigenen Entscheidung kommen.

Später erwarten wir, dass sie mit Unsicherheit umgehen, Verantwortung übernehmen und handeln können, auch wenn niemand vorher weiß, was am Ende richtig gewesen sein wird.

Warum also erst als Erwachsene damit anfangen?

Genau deshalb gibt es die Entscheidungsmonster auch für Kinder. Nicht damit sie möglichst früh lernen, immer die richtige Entscheidung zu treffen.

Sondern damit sie früh lernen, sich selbst beim Entscheiden besser zu verstehen.

WAS IST MIR WICHTIG?
Eigene Wünsche und Bedürfnisse wahrnehmen.

WAS SEHEN DIE ANDEREN?
Verstehen, dass dieselbe Situation unterschiedlich aussehen kann.

WAS MACHE ICH JETZT?
Einen eigenen Standpunkt finden und danach handeln.

Die Entscheidungsmonster im Baumhaus

Vielleicht erkennen Kinder in den Monstern etwas von sich selbst.

Vielleicht erkennen Erwachsene beim Vorlesen auch etwas von sich.

Denn ganz verschwinden tun die Monster später nicht. Sie werden nur erwachsener.

Welche Monster bei euch mitreden, findet ihr im Baumhaus.